Collection 1/WDAD - Dittmann, Wilhelm

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Reference code

DE 2281 1/WDAD

Title

Dittmann, Wilhelm

Date(s)

  • 1880 - 1955 (Creation)

Level of description

Collection

Extent and medium

2,00 lfm

Context area

Name of creator

Wilhelm Dittmann

Biographical history

Archival history

Biographische Notiz: Wilhelm Dittmann (13. November 1874-7. August 1954)
Wilhelm Friedrich Karl Dittmann wurde am 13. November 1874 als Sohn des Stellmachermeisters Joseph Dittmann und dessen Frau Auguste (geb. Wendt) in Eutin (Ost-Holstein) geboren. Nach harter und entbehrungsreicher Jugend trat er 1894 als Tischlergeselle in den Deutschen Holzarbeiter-Verband sowie in die SPD ein. Sein Interesse galt weniger den theoretischen Auseinandersetzungen jener Zeit, sondern vielmehr der Parteiorganisation und der Parteipresse. So wurde er bereits 1899 Lokalredakteur in Bremerhaven, 1900 auch dortiger SPD-Vorsitzender. 1902 in die Redaktion der "Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen übergewechselt, ehelichte er im April des folgenden Jahres die Eutiner Tischlers-Tochter Anna Havemeyer und bekleidete ab 1904 die Stelle des besoldeten sozialdemokratischen Parteisekretärs in Frankfurt/Main, die ihm 1906 ein Stadtverordnetenmandat einbrachte. Unermüdlich organisierte er die Parteiarbeit (diese hatte Vorbildcharakter für viele Untergliederungen der Partei und wurde daher andernorts gern übernommen), veranstaltete Agitationsversammlungen und trat neben anderen Persönlichkeiten der Arbeiterbewegung auch selbst als Redner in Erscheinung. Die Solinger Parteifreunde beriefen Dittmann 1909 als Chefredakteur an das örtliche Parteiorgan. Sein erfolgreiches Wirken bescherte ihm 1912 die Fortsetzung seiner parlamentarischen Laufbahn auf höherer Ebene: Er wurde für den Wahlkreis Lennep-Remscheid-Mettmann in den Deutschen Reichstag gewählt und siedelte mit Gattin Anna nach Berlin über. Bis auf eine kurzzeitige Tätigkeit als Chefredakteur des USPD-Zentralorgans "Freiheit" im Jahre 1922 als Nachfolger Rudolf Hilferdings stellte er seine journalistische Berufsarbeit nun völlig ein. Seit jeher entschiedener Gegner der Revisionisten in seiner Partei, war er neben Hugo Haase und Georg Ledebour Hauptwortführer der Minderheitsgruppe in der SPD-Reichstagsfraktion, die seit Dezember 1915 gegen die Weiterbewilligung der Kriegskredite stimmte, weil sie der festen Überzeugung war, daß die deutsche Regierung den Ausbruch des Krieges verschuldet habe und einen Verständigungsfrieden verhindere. 1916 Mitgründer der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft, wurde er ein Jahr später auch Gründungs- und Vorstandsmitglied der USPD. Während der gesamten Kriegszeit stand er mit an der Spitze des parlamentarischen Kampfes gegen die zunehmende Militarisierung des zivilen Lebens, gegen die Beschneidung der persönlichen Freiheiten und gegen die rigorose Durchsetzung der Zensurbestimmungen. Die Behauptung, Dittmann habe bei den Marinemeutereien 1917 selbst die Hand im Spiel gehabt, konnte im übrigen nie bewiesen werden. Er selbst hat in seinem 1926 publizierten Buch "Die Marine - Justizmorde von 1917 und die Admiralsrebellion von 1918" aus seiner Eigenschaft als Berichterstatter eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses Licht in dieses Kapitel gebracht. Während des Berliner Streiks für einen Verständigungsfrieden im Januar 1918 wird Dittmann als Versammlungsredner im Treptower Volkspark verhaftet und vom Kriegsgericht zu 2 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Festungshaft wegen Landesverrats verurteilt. Kurz vorm Zusammenbruch des Kaiserreiches freigelassen, tritt er am 10.11.1918 in den Rat der Volksbeauftragten ein, den er jedoch schon am 29.12.1918 zusammen mit Hugo-Haase und Emil Barth wieder verläßt. Er fordert vehement, die neue Regierung dürfe sich militärisch unter keinen Umständen auf die Reste der alten Armee stützen, sondern müsse eine auf Freiwilligen basierende demokratische Volkswehr gründen - eine Forderung, deren Nichterfüllung er während der Schweizer Emigrationsjahre wiederholt bitter beklagt und die ihn u.a. zu scharfer Kritik an der Rolle Friedrich Eberts während der Zeit der Novemberrevolution veranlaßt. Ab 1920 wieder (bis 1922 als USPD-Mitglied) Reichstagsabgeordneter, nahm er im Juli 1920 als Delegationsmitglied seiner Partei an den Verhandlungen des 2. Kongresses der III. Internationale in Moskau bzw. Petrograd (Leningrad) teil, in denen er zusammen mit Artur Crispien gegen den Anschluß der USPD an die Kommunistische Internationale stimmte. 1922 wurde Dittmann in den Vorstand der wiedervereinigten SPD gewählt und auf allen folgenden Parteitagen vor 1933 in seinem Amt bestätigt. Von 1920 bis 1925 Vizepräsident des Reichstages, war er ab 1922 geschäftsführender Vorsitzender der SPD-Reichstagsfraktion. Seiner vielgestaltigen parlamentarischen Tätigkeit, in der er letztlich ebensowenig wie die übrigen demokratischen Politiker eine Aushöhlung des Rechtsstaats durch die restaurativen Kräfte verhindern konnte, wurde mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein jähes Ende gesetzt. Dittmann, Artur Crispien und Philipp Scheidemann gingen auf Beschluß des SPD-Parteivorstandes noch im Frühjahr 1933 außer Landes, da ihnen die Nazis einen Schauprozeß angedroht hatten, an dessen Ende sie als "Novemberverbrecher am Brandenburger Tor aufgehängt" werden sollten. Während Scheidemann zunächst in die CSR und später nach Dänemark emigrierte, wo er 1939 starb, ließen sich Dittmann und Crispien in der Schweiz nieder. Trotz karger, manchmal sogar widriger Lebensumstände besonders in den ersten Jahren nach 1933, richteten sich Anna und Wilhelm Dittmann mit Hilfe Schweizer Parteifreunde so gut es eben ging in Zürich ein. Hier waren es vor allem der Zürcher Stadtpräsident und nachmalige sozialdemokratische Bundesrat in Bern, Ernst Nobs, der so manche behördliche Schikane überwinden half, sowie die Kontakte zu anderen deutschen Emigranten wie Otto Braun, Wilhelm Hoegner und Georg Ledebour, die den Dittmanns das Dasein ein wenig erleichterten. Im März 1934 vollendet Wilhelm Dittmann das Manuskript seiner politischen Erinnerungen seit 1914 "Wie alles kam", etwa 10 Jahre später ein umfassendes Memoirenmanuskript. Ungefähr ab Mitte 1937 nimmt er seine frühere journalistische Arbeit wieder auf und veröffentlicht - meistens im Zürcher "Volksrecht", einer der SPS nahestehenden Tageszeitung, in fast regelmäßiger Folge Artikel historisch-politischen Inhalts. In vielen dieser Artikel nimmt er das deutsche Volk vor ungerechtfertigten Angriffen in Schutz und setzt sich sachlich und fair gegen allzu einseitige Betrachtungsweisen zur Wehr. Ab Ende 1940 steht Dittmann in Kontakt mit dem Vorstandsmitglied der SOPADE, Fritz Heine, um bei schweizerischen Parteistellen, Gewerkschaften und Flüchtlingshilfe-Organisationen Unterstützungsgelder für deutsche politische Emigranten in Frankreich für deren Reise nach Übersee zu erhalten. Die meisten deutschen Sozialdemokraten kehrten bald nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches nach Deutschland zurück - nicht so die Dittmanns. Sie blieben für weitere sechs Jahre in Zürich und betrieben zunächst von dort aus die Regelung ihrer Wiedergutmachung als ehemalige Verfolgte des Naziregimes; natürlich beobachteten sie auch aufmerksam die politische Entwicklung im neuen Deutschland. Wilhelm Dittmann hielt ständig Verbindung mit dem SPD-Parteivorstand in Hannover (Büro Kurt Schumacher) und war vor allem Fritz Heine ein wertvoller Ratgeber in organisatorischen und personellen Fragen. Seinen Entschluß, in die deutsche Heimat zurückzukehren, verwirklichte er einige Monate nach dem Umzug des SPD-Parteivorstandes nach Bonn im Herbst 1951. Er war voller Hoffnung, seine reiche politische Erfahrung in die SPD-Politik einbringen zu können und wurde dazu auch herzlich von Kurt Schumacher ermuntert, der ihn auf einer SPD-Bezirkssekretärstagung Anfang Oktober des Jahres als ein Stück Geschichte der Sozialdemokratischen Partei bezeichnete.
Gesundheitlich bekam Dittmann der Wechsel von der gesunden Luft der Schweizer Berge in das Bonner Treibhausklima jedoch nicht gut; auch fand er keinen rechten Kontakt zur jüngeren Politiker- und Funktionärsgeneration. Diese Umstände und die Tatsache, daß seine Wiedergutmachungsangelegenheit, die ihm und seiner Frau eine angemessene Versorgung für die letzten Lebensjahre sichern sollte, nur sehr schleppend vorankam, vergällten zunehmend sein Dasein. So zog er sich in der zweiten Jahreshälfte 1953 völlig aus der Arbeit in der Parteizentrale zurück, wo er zusammen mit Rudolf Rothe das Parteiarchiv verwaltet hatte. Zu Beginn des Jahres 1954 vermachte er dem Parteivorstand seine umfangreiche Privatbibliothek, die aus mehr als 1.200 Bänden bestand, sowie sein persönliches Archiv, dessen Inhalt nach entsprechender Ordnung im hier vorliegenden Findbuch verzeichnet ist. Kurz nach dem Berliner Parteitag im Juli 1954 erleidet der fast Achtzigjährige einen schweren Schlaganfall und ist danach teilweise gelähmt. In der Nacht zum 7. August stirbt Wilhelm Dittmann in seiner Obergeschoßwohnung im Bonner Talweg 196.

Wie im biographischen Teil der Einleitung ausgeführt, übergab Dittmann einige Monate nach seinem Ausscheiden aus dem SPD-Parteivorstand diesem sein gesamtes persönlich politisches Archiv. Die darin enthaltenen Unterlagen dokumentieren das Lebenswerk des Nachlassers in recht unterschiedlicher Dichte. Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, neigte sich Wilhelm Dittmanns politische Laufbahn bereits dem Ende zu. Infolge massiver Bedrohung durch die neuen Machthaber mußte er als einer der ersten prominenten SPD-Parlamentarier Deutschland in aller Eile verlassen und konnte somit nur wenige Dokumente seiner langjährigen Arbeit in die Emigration hinüberretten. Es handelt sich dabei neben einigen persönlichen Unterlagen und Briefen privaten Inhalts sowie einer Reihe von Presseausschnitten mit zum Teil eigenen Artikeln, um Kopien von ca. 200 Korrespondenzen des Parteifunktionärs und Reichstagsabgeordneten Dittmann (nach neueren Erkenntnissen befindet sich im Russischen Zentrum in Moskau, einer Vereinigung des ehemaligen Zentralen Parteiarchivs der KPdSU und des Kominternarchivs, ein Bestand Wilhelm Dittmann/ Mengenangabe: 147.000 Blatt [!], der vermutlich 1933 von den Nazis beschlagnahmt und von den Sowjets nach dem II. Weltkrieg in die UdSSR verfrachtet worden war). Der in der Schweizer Emigrationszeit geführte Briefwechsel Dittmanns und seine vorwiegend in Zürcher Zeitungen veröffentlichten Presseartikel sind wohl ebenso wie das 1934 abgeschlossene Manuskript seiner politischen Erinnerungen nahezu vollständig in den Nachlaß eingegangen - dasselbe gilt für die Zeugnisse seiner stark reduzierten Nachkriegsaktivitäten. Ein Manuskript seiner gegen Kriegsende fertiggestellten Lebenserinnerungen befindet sich im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam. Ein seit den 60er Jahren vorliegendes Grobverzeichnis des Nachlasses, das lediglich den Korrespondenzteil und die Sachrubrik "2. Kongreß der III. Internationale" oberflächlich erfaßte, war als Vorlage für eine Neuordnung völlig ungeeignet.
Folgende Veränderungen wurden vorgenommen:
1. Die gesamte Korrespondenz wurde neu gegliedert und durch über den Bestand verstreute einzelne Briefwechsel ergänzt.
2. Die ebenfalls über den ganzen Nachlaß verteilten persönlichen Unterlagen wurden geordnet und dem Bestand vorangestellt.
3. Bei Bildung der Rubrik "Publizistische Tätigkeit" wurden nur die Manuskripte, Artikel etc. berücksichtigt, die unzweifelhaft auf die Autorenschaft Wilhelm Dittmanns zurückzuführen sind.
4. Neben einigen in Briefumschlägen zusammengestellten Materialien, die durch Hinzufügung weiterer im Bestand irrlichtender, passender Dokumente zu Sachakten verdichtet wurden, konnte aus dem Bestand des SPD-Parteivorstandes eine Akte mit Unterlagen zur Sozialistischen Internationale, die eindeutig dem Nachlaß Dittmanns entstammt, entnommen und der Rubrik "Sachakten" angegliedert werden.
5. Aus den restlichen im Nachlaß befindlichen Materialien wurde die Aktengruppe "Sammlungen" gebildet.

Immediate source of acquisition or transfer

Content and structure area

Scope and content

I. Persönliche Unterlagen
1. Ausweise, Urkunden
2. Reklamationssache Wilhelm Dittmann
3. Reklamationssache Paul Dittmann
4. Gerichtssache / Strafhaft Wilhelm Dittmann
5. Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz
6. Mietauseinandersetzung in Zürich
7. Wohnungsangelegenheit Tegna (Tessin)
8. Wiedergutmachungssache Wilhelm und Anna Dittmann
9. Handschriftliche Notizen und Exzerpte Wilhelm Dittmanns
10. Presse- und Fotoberichte über Wilhelm Dittmann
11. Tod Wilhelm Dittmanns
12. Tod Carl Dittmanns
13. Tod Joseph Dittmanns
14. Tod Paul Dittmanns
II. Korrespondenz
1. Korrespondenz Kaiserzeit / Weimarer Republik
2. Korrespondenz Emigration
3. Korrespondenz Nachkriegszeit
III. Publikationen
IV. Sachakten
1. Parteitage der SPD und der USPD
2. Wilhelm Dittmann als SPD-Parteisekretär in Frankfurt/Main
3. Kongresse und Konferenzen der Sozialistischen Internationale
4. Finanzierung der "Sozialistischen Monatshefte"
5. Der Fall Hildebrand
6. Wilhelm Dittmanns Wahlkreis Remscheid-Lennep-Mettmann
7. SPD-Reichstagsfraktion
8. Deutscher Reichstag
9. Der Fall Curt Geyer
10. Der 2. Kongreß der III. Internationale in Moskau und Leningrad
11. Die Fälschung des Aufrufs der Volksbeauftragten von 1918
12. Wilhelm Dittmanns politische Erinnerungen "Wie alles kam" (Korrespondenz)
13. Auseinandersetzung Wilhelm Dittmann mit Valentin Gitermann
V. Sammlungen
1. Periodika
2. Druckschriften, Flugblätter, Notenschriften, Briefumschläge
3. Karten, Pläne, graphische Darstellungen

Appraisal, destruction and scheduling

Accruals

System of arrangement

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  • Немачки

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  • Латиница

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